Werkstatt für Kreativität

Kunst ist ein wunderschönes  Mittel um die menschliche  Persönlichkeitsentwicklung in allen Bereichen positiv zu unterstützen. Kunst bietet sich dann noch mehr an wenn sie weit gedacht ist. Dann lässt sie alles zu. Nicht nur jede Form von kreativem Außdruck, sei er bildnerisch, darstellend, schriftlich oder musikalisch. Auch jeder Mensch findet hier seinen Platz – unabhängig von Alter, Farbe, Geschlecht. Unabhängig von Können und Verhalten.

Während einer verregneten Nachmittagunterrichtsstunde entdeckte Igor die Möglichkeiten von Moosgummi.
Ich wollte mit den Schülern, Moosgummi und Ausstecherförmchen Stempel zum Drucken herstellen. Ich wollte mit meiner Klasse drucken. Dieser in allen Bereichen seines Seins drahtige Erstklässler hatte aber anderes im Kopf. Er klappte die GANZE Moosgummiplatte zusammen und schnitt mit der Schere von ALLEN Seiten Dreiecke hinein. Damit hatte er nicht nur eine GESAMTE Moosgummiplatte versaut. Er hatte auch kein richtiges, kein sauberes und kein schönes Muster wie beim x-maligen zuvor durchgeführten Gestalten von Papiersternen erzielen können, weil niemand neben ihm saß und ihm half. Vom weiten zusehend war ich stinksauer und enttäuscht. Von mir und von ihm. OK – sagte ich mir – rette was zu retten ist. Ich setzte mich neben Igor und versuchte ihn lobend zum Bemalen der Moosgummiplatte zu animieren. Funktionierte auch: Wir malten Radfahrer die Berge hochfuhren, Raketen die auf deren Spitzen ins Weltraum starteten, Sterne, Mond und Planeten die von Astronauten besucht wurden und mehr. Zufrieden mit meiner Rettungsaktion, mit der ich auch noch sprachliche Förderung verbuchen konnte widmete ich mich wieder seinen Mitschülern.


Igor kehre zurück zu seiner Idee. Er schnappte sich ein buntes Blatt und ordnete die ausgeschnittenen Dreiecke darauf an. Dann zupfte er zart an meinem T-Shirt-Zipfel.

Das ist Kreativität. Und dazu noch ein gutes Beispiel zum Verhältnis von erwachsenem Denken und kindlichem Tun. Und den Ergebnissen.

Aus diesem Grund möchte ich weniger von Kunstkursen und mehr von Kunstzeiten sprechen, in denen der Erwachsene eigentlich nur durch sein >etwas mehr an Lebenserfahrung< dieses >etwas< weiter geben kann. Sonst aber gleichgestellt ist. Und von der Leichtigkeit und Einfachheit der Kinder lernt, die durch das >etwas mehr an Offenheit und Freiheit< kommen könnte.
Es soll Raum gegeben werden, um…
… ungezwungen mit unterschiedlichen Menschen jeden Alters und jeder Herkunft zusammenzukommen.
… ungezwungen unterschiedliche Möglichkeiten kreativer Arbeit kennenzulernen und auszuprobieren.
… dem Inneren Ausdruck zu geben. Oder dies zumindest zu versuchen.
… manchmal auch einfach nichts zu produzieren und trotzdem Lob und Anerkennung zu erfahren.

So kann Kunst die notwendigen Verbindungen für eine funktionierende, plurale Gemeinschaft freudvoll und damit spielend schaffen.

Ganz konkret…
… manschen wir mit Kleister, Ton und Farbe,
… schmieren mit Kreide, Stift und Pinsel,
… reißen, schneiden, legen, heften und kleben,
… werkeln mit Wolle, Faden und Gewebe.
Manchmal zeichnen und malen wir. Oder gucken bei allem nur zu und machen etwas ähnliches nächstenmal oder zuhause. Je nach dem wie alt und erfahren wir sind. Oder wie vertraut. Oder wie die Stimmung heute so ist.